Die sogenannten Hausbrauereien waren Brauereien, die ihr Bier in der Hauptsache oder ausschließlich im eigenen Hause zum Ausschank bringen, sind ebenso wie das von ihnen erzeugte obergärige, stark gemälzte und gehopfte Bier von jeher eine besondere Eigentümlichkeit Kölns und seiner Umgebung gewesen. Dem Kölner gilt sein "Kölsch" sozusagen als ein Symbol der alten Stadt; das Brauhaus seines Viertels ist ihm eine Art gesellschaftlichen Mittelpunktes, eine weitgeschätzte Pflegestätte Kölner Gemütlichkeit, all der man keine Standesunterschiede kennt. Die Güte des Bieres in dem von ihm bevorzugten Brauhaus ist fast sein persönlicher Stolz, und mit einer aus der Liebe zu seiner Vaterstadt geborenen Eifersucht wacht er darüber, daß sein Lieblingsbrauhaus sich im Inneren wie im Äußeren nicht wesentlich verändert, daß es "Altkölsch" bleibt, genau wie sein Bier.
Unter diesen Umständen war es geradezu ein Wagestück, daß der frühere Besitzer des Apostelnbräues in der Apostelnstraße, Herr Joseph Früh im November l905 "Am Hof" und an der Stelle des niedergelegten Gebäudes der Schützenliesel ein neu erbautes Kölner Brauhaus eröffnete. Zwar ging dem Herrn Früh, dem Sohn einer alten Brauerfamilie, als Fachmann ein so vorzüglicher Ruf voraus, daß man hinsichtlich der Güte des in einem Neubau zum Ausschank kommenden Bieres keine Befürchtungen zu hegen brauchte. Aber es entstand die mit einer gewissen Leidenschaftlichkeit in der Stadt erörterte Frage, ob in einem derartigen Neubau überhaupt eine Stätte gewohnter Gemütlichkeit und ein so behagliches, an Altväterzeiten erinnerndes Milieu entstehen könne wie in den alten Brauhäusern. Herr Früh aber hatte sein Wagnis, gestützt auf bauliche und architektonische Kapazitäten, unternehmen dürfen, von denen der Architekt, Herr Regierungsbaumeister Schmitz, Köln einen Gastraum schuf, der trotz seiner bis dahin in Kölner Brauhäusern noch nicht erlebten Ausmessungen, durch geschickte Gliederung und besonders durch Einbeziehung eines auf ein Säulen ruhenden, lichtspendenden Hochganges sowie durch Schaffung von lauschigen Winkeln und Nischen ein ungemein trauliches Gepräge erhielt, das verstärkt wurde durch dunkle Tönung der Wände, einen hohen Kachelofen, entsprechendes Mobiliar und dann noch besonders durch den von Professor Georg Grasegger, Köln, geschaffenen, figürlichen Schmuck von humoristisch-künstlerischen Werten sowie durch die von Herrn Schulte, Lehrer der Kölner Gewerbeschule, gemalten Bilder mit Typen Kölner Biertrinker.
Es war derart ein Raum entstanden, der durch Thekeneinbau nach dem Flur hin, durch den "Köbes" mit blauem Wams und blauer Schürze usw. alle typischen Merkmale eines Kölner Brauhauses und dabei die Stimmungsreize eines solchen in noch verstärktem Maße aufwies, der dabei aber durch Raumeinteilung, Belichtung, Lüftung usw. allen berechtigten modernen Ansprüchen vollauf genügte. Das Wagnis des Herrn Früh war so nach allgemeinem Stadturteil durchaus gelungen, und da dessen Bier auch in gleichbleibender Vorzüglichkeit zum Ausschank gelangte, wurde sein neues Brauhaus bald eine Wallfahrtsstätte für Kölner Biertrinker. Die äußeren Werte des Hauses erhöhten sich noch, als nach Verschwinden der Sporergasse und Schaffung der Stollwerck-Passage im Jahre 1907 ein vornehmer und breiter Verbindungsweg vom "Hof" zur nahen Hohe Straße entstand. Die Nähe dieser Straße, des Domes und des Bahnhofes machte dann das Brauhaus Früh bald Zum beliebten Treffpunkte für auswärtige Besucher Kölns, zu einer weit bekannten Anfangs- und Endstation für Wanderungen und Geschäftswege in der Stadt.
Das Brauhaus Früh, das von der Witwe des im Jahre l9l5 verstorbenen Gründers ganz in dessen Geist weitergeleitet wurde, hat siegreich die für die Kölner Hausbrauereien so schwierigen Kriegsjahre überwunden und sieht heute wieder, wie in Friedenszeiten, täglich Gästescharen die Räume füllen. Nach dem Tode der Frau Früh, 1930, wird es im selben Stile und im Sinne der verstorbenen Eheleute Früh weitergeführt.
(Aus: Das Buch der alten Firmen der Stadt Köln im Jahre 1932 - Herausgeber Walter Gerlach, Jubiläums-Verlag Walter Gerlach, Leipzig)
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.