Am Anfang war das Urbier

Hopfen und Malz – Gott erhalt’s - Dieser alte Brauerspruch soll auch am Anfang dieser Einführung ins Thema Bier stehen, obwohl er in dieser Form erst seit dem 15. Jahrhundert seine Gültigkeit hat, denn das Ur-Bier, der natürlich gegorene Getreidesaft, ist viele Jahrtausende älter, eine kulturelle Errungenschaft des Menschen, die ihren ersten Nachweis im Zweistromland, dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris in Vorderasien hat. Bier war Genuss- und Nahrungsmittel, das aus den vorhandenen Rohstoffen, ersten primitiven Gersten und Weizensorten hergestellt wurde. Der Prozess ist denkbar einfach. Brotfladen wurden in Feuchtigkeit eingeweicht und vergoren. Das Resultat war ein trübes alkoholisches Getränk, das durch Rohre aus Krügen getrunken wurde.

Der Rest des ungefilterten Getränks blieb so in den Krügen zurück. Die Luftgärung entstand durch das Vorhandensein von Keimen im Fladenbrot und Bakterien in der Luft. Erstes schriftliches Dokument über das Brauen findet man im Museum Louvre in Paris Es sind einige 6000 Jahre alte Tontäfelchen, gefunden von einem Herrn Bleu (Blau) in Mesopotamien, dem Gebiet des Sumerer-Reiches, auf denen festgehalten ist, wie das Bier, das der Fruchtbarkeitsgöttin Nin-Harra geopfert wurde, zu brauen war. Nin-Harra gilt so, nicht zu Unrecht, als erste Göttin des Bieres. Auch erste Gewürz- und Geschmacksstoffe wie Zimt und Honig wurden bereits von den Sumerern dem Bier beigemischt.

Den Sumerern folgten im 2. Jahrtausend v.Chr. die Babylonier, bekannt aus der Bibel und dem alten Testament. Dieses hochbegabte Volk, Erfinder vieler heute noch gültigen zivilisatorischen Errungenschaften, perfektionierte auch das Brauwesen bis in die kleinsten Einzelheiten. Es gab 20 verschiedenen Sorten Bier aus Gerste, Weizen und einer Mischung aus beiden Getreidearten. Es gab strenge Schankverordnungen und medizinische Anwendungen. Nach wie vor war aber auch die Verwendung des berauschenden Getränkes bei allen religiösen Handlungen einer der Gründe zur Herstellung dieses uralten Kulturtrankes. Wie prägend die Erfindung des Bieres für die Entwicklung der Menschheits-Geschichte ist, zeigt eine 4000 Jahre alte Wortstafette, die aus der Zeit der Babylonier bis in unseren heutigen Wortschatz reicht. Die Babylonier nannten ihr Bier sikaru. Als die biblischen Hebräer in die Babylonische Gefangenschaft geführt wurden, übernahmen sie das Getränk und nannten es shekar. Dieses Wort bedeutete in der hebräischen Sprache berauscht sein. Dieses Wort shekar (oder "shikar") fand als jiddisches Lehnwort seinen Weg in unsere Umgangssprache als "schicker" sein, wenn jemand ein Glas zuviel getrunken hat.

Die nächste Station in der allgemeinen Biergeschichte führt nach Ägypten in die Zeit der Pharaonen. Diese kultivierten das von den Babyloniern übernommene berauschende Getränk zu einer bis dahin noch nie gekannten Blüte. Auf umfangreichen Wandmalereien findet man die Wiedergabe eines gesamten Brauprozesses, von der Herstellung der Krüge bis zum fertig vergorenen Bier. Es gab Normal-Biere (Zythos) und Starkbiere (Dizythos), es wurde gefärbt (mit Safran) und stark gewürzt (mit Honig und Anis). Arm und reich tranken es, und selbst Sklaven erhielten ihre Tagesration von zwei Krügen. Bier war Sold für das Militär, Arbeitslohn, Kulttrank und Grabbeigabe. Später erhob die Regierung, auch das eine Novität, die erste Biersteuer der Geschichte, um der allgemeinen Trunksucht Herr zu werden. Böse Zungen behaupteten schon damals, das Geld habe lediglich dazu gedient, neue Pyramiden zu errichten. Griechen und Römer konnten dem Bier nicht so viel abgewinnen, wie man aus den abfälligen Kommentaren ihrer Geschichtsschreiber ersehen kann.

Dafür liebten die Kelten und ihre germanischen Nachbarn den Gerstensaft um so mehr. Um die Jahrtausendwende verbreitete sich das Bier besonders in Zentral- und Mitteleuropa. Die Germanen übernahmen es von den Galliern (Kelten) und die germanischen Hilfstruppen des Julius Caesar brachten es nach England. Der römische Geschichtsschreiber Cornelius Tacitus, er lebte im l. Jahrhundert (n. Chr.), beschreibt aus seiner hochkultivierten römischen Sicht die primitiven Trinkgelage: "Sie liegen auf Bärenfellen und trinken aus großen Trinkhörnern den mit Honig versetzten Meth oder Bier. Sie können Hunger und Kälte leicht ertragen, aber nicht den Durst". Soweit Tacitus. Das Brauen war Frauensache, der Braukessel war Teil der Aussteuer jeder heiratsfähigen Germanin, und im germanischen Götterhimmel Wotans war die himmlische Braumeisterin Frigga für die Getränke zuständig. Sie war wohl die Vorkämpferin einer Jahrhunderte langen Herrschaft der Frauen am heimischen Braukessel. Das Getränk, das sie brauten, wurde mit allerlei Kräutern, Rinden und Beeren gemischt. Diesen für ihre feinen Gaumen diabolischen Trank nannten die Römer cervisia, den sie aber als barbarische Entgleisung verachteten. Die historische Tat der germanischen Braumeisterinnen: Sie schafften als erste eine Schaumkrone aufs Bier und verwendeten gemälztes Getreide, anstatt gebackenes Brot zu vergären.

Mit der Ausbreitung des Christentums nördlich der Alpen begann auch das Bier seinen Siegeszug als Nahrungsmittel und Volksgetränk. Zu Beginn des Mittelalters sind es die Mönche, als einige wenige des Lesens und Schreibens mächtig, die sich um die Entwicklung der Braukunst und ihre Verbreitung verdient machten. Der Mann allerdings, der das Bierbrauen in unseren Landen erstmals organisatorisch in Schwung brachte, war Karl der Große. Er legte in den sogenannten "Capitularien" gesetzlich fest, wie die Ausbildung der Brauer, Anbau und Bereithaltung der Rohstoffe, Qualität und Quantität der Biere und die Anzahl der Brauereien zu sein hatten. Diese Anordnungen galten für den karolingischen Herrschaftsbereich, der sich ja fast auf das gesamte westliche Europa erstreckte. Doch auch das nachfühlbare Eigeninteresse der Mönche an dem nun inzwischen doch recht trinkbaren Gerstensaft, als Bereicherung der oftmals tristen Klosterkost und als flüssige Fastenspeise, brachten dem Mönchsbräu mehr und mehr Ansehen- und Reputation, es wurde immer mehr Vorbild für das allgemeine Braugewerbe. Als besondere Vorbilder galten die Benediktiner-Abteien St. Gallen in der heutigen Schweiz und Weihenstephan bei Freising. Im Klosterplan von St. Gallen von 814 sind die umfangreichen speziellen Brauanlagen, die für den Konsum der zahlreichen Pilger und den Eigenbedarf sorgten, deutlich zu erkennen. Um die Jahrtausendwende hat das Braugewerbe schon einen beachtlichen Standard erreicht, der das Bier allgemein zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor machte.

Auch in den Städten entwickelt sich das Braugewerbe im Laufe der folgenden Jahrhunderte vom familiären Bräu für den Eigenbedarf nach und nach zu professionellen Strukturen, die sich in Zünften und Bruderschaften manifestierten. Das Jahr 1396 eröffnete auf Grund seiner politischen Auswirkungen durch die Ausstellung des "Verbundbriefes" den Kölner Bürgern neue Freiheiten und den Brauern erhebliche wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten. Auch das Bier entwickelte sich weiter, das "Gruit-Bier" musste dem "Hoppe (Hopfen)-Bier" weichen. Bereits lange Zeit vor der Einführung des Hopfens in die Bier-Herstellung hatten die Ordensleute Albertus Magnus und Hildegard von Bingen wissenschaftliche Studien über die heilsame Wirkung der Hopfenpflanze gemacht, doch es dauerte bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts, bis das Brauen von "Hoppe-Bier" sich auch in Köln und im Rheinland durchsetzte.

Der Weg des Hopfens, einer uralten Kulturpflanze, ins Bier ist rätselhaft und liegt weitgehend im Dunkeln. Wahrscheinlich kam er aus dem slawischasiatischen Raum nach Mitteleuropa. Heute wird er fast ausschließlich zum Brauen verwendet. Die Lupulinkörner an den weiblichen Blütenstauden enthalten einen Wirkstoff, der für das feine Bitter-Aroma sorgt, die Haltbarkeit erhöht und den Schaum stabilisiert. Außerdem hat er eine antiseptische Wirkung, die Erreger abtötet und deshalb auch in der Medizin Verwendung findet. Pflanzte man früher in fast ganz Deutschland Hopfen an, so konzentriert sich heute der Hopfenanbau hauptsächlich auf die Hallertau in Franken und das Gebiet um Tettnang am Bodensee. Auch im benachbarten Tschechien, in der Gegend von Saaz, wird schon seit Langem intensiv Hopfen kultiviert. Am 23.April 1516 verkündete der bayerische Herzog Wilhelm IV. seinem Lande Bayern ein Reinheitsgebot für das Brauen von Bier, das besagt, daß Bier nur aus Hopfen, Gerstenmalz und Wasser gebraut werden darf. Dieser Erlass gilt als das älteste LebensmittelGesetz der Welt. Die deutschen Brauer übernahmen später insgesamt dieses Reinheitsgebot und verpflichteten sich, trotz massiver Angriffe aus dem Ausland, an dieser Vorschrift festzuhalten. Gerade heute, in einer Zeit der zunehmenden ökologischen Sensibilisierung unserer Bevölkerung, ist der Verbraucher dankbar, wenn eine ganze Branche ihm die absolute Garantie gibt, daß ihr Produkt frei von chemischen Zusatzstoffen und Malzersatzstoffen bleibt. Auch das Kölsch-Bier erfüllt natürlich alle diese strengen Kriterien und gilt auch sonst als eines der besten Biere im Lande. Nicht nur wie seit dem Jahre 1516 im schönen Bayern, sondern auch in der Stadt Köln hat Qualitäts-Kontrolle schon eine lange und stolze Tradition. Denn bereits hundert Jahre früher, im Jahre 1412, erließen der "Rat der Stadt Köln und seine 44 Gaffelfreunde" eine offizielle Ratsverordnung, nach der die Kölner "Hoppe (Hopfen)-Brauer" nur bestes Gerstenmalz verwenden durften. Auch die Menge Bier, die von diesem Malz gebraut werden durfte, wurde genau festgelegt.

Nur diese vier Ingredienzien sind die Grundbestandteile eines guten Bieres. Als erstes kommt das Malz. Es gibt dem Bier den Gehalt an Alkohol und die Geschmacksfülle. Es wird im allgemeinen aus Brau-Gerste oder aus Weizen hergestellt. Die im Getreide enthaltene Stärke wird in Zucker umgewandelt, der später im Bier teils in Alkohol, teils in Kohlensäure umgewandelt wird. Beim Mälzen lässt man mit Wasser befeuchtetes Getreide keimen, wobei die Umwandlung der Getreidestärke in Zucker vorbereitet wird. Das so gewonnene "Grün(Roh)-Malz" wird dann geröstet oder, wie die Fachleute sagen, "gedarrt". Beim "Darren" entscheidet sich, ob das Bier später heller oder dunkler wird, je nach dem wie dunkel oder hell das Malz "geröstet" ist. Das Brau-Malz fertigten die meisten kleinen Bierbrauer früher selbst, im Gegensatz zu heute, wo es in einigen wenigen Großmälzereien in großen Mengen hergestellt wird. Das Malz wird geschrotet und mit dem zweiten Bestandteil, dem Brauwasser, in großen Kesseln zusammengebracht und gekocht, wobei sich die Stärke in Zucker verwandelt. Diese Mischung heißt "Maische", aus der nach dem Erhitzen die ausgekochten Getreidereste (Spelzen) ausgefiltert werden. Jetzt verwandelt sich die Maische in Würze. Nun kommt der dritte wichtige Bestandteil hinzu, der Hopfen. Die "Würze" mit dem zugefügten Hopfen wird gekocht, wieder gefiltert und dann abgekühlt. Der vierte Bestandteil, die Hefe, welche die Brauart bestimmt und das Bier gären lässt, macht die vier Komponenten komplett. Bei der Gärung wird ein Teil des Zuckers in Alkohol und in Kohlensäure umgewandelt, der uns die schöne Schaumkrone auf dem Bier beschert. Die moderne Brautechnik ist zwar heute in vielen Details anders als zur Zeit der Hopfeneinführung vor 500 Jahren, doch die obergärige Brauart ist bis heute gleich geblieben. Obergärig gebraut, das heißt, daß sich die Brauhefe beim Gärprozess im Gärbottich (oder im Gärtank) an der Oberfläche absetzt und dann abgeschöpft wird, wohingegen sie bei der untergärigen Brauart auf den Boden absinkt und das Bier dann abgepumpt wird, um, bei beiden Brauarten, dann in den Lagertanks in Ruhe zu reifen. Ist der Reifeprozess abgeschlossen, wird das Bier gefiltert und dann in Fässer, Flaschen oder Dosen abgefüllt. Der hier geschilderte Brauprozess klingt zwar einfach, beinhaltet aber viel Raum für Variationen und Veränderung der Dosierungen, so daß die deutschen Brauer innerhalb dieser Grenzen mehr als 4000 verschiedene Biere herstellen, von denen jede für sich Eigenständigkeit und geschmackliche Alleinstellung in Anspruch nimmt.

Hierbei spielt die sogenannte Stammwürze eine große Rolle. Sie bezeichnet die Konzentration der Stärke des Würzegehaltes vor dem Vergären und bestimmt später den Alkoholgehalt des Bieres. Man unterteilt die Biere in folgende Kategorien: Einfach-Bier mit 0,5 - 1,5 %, Schankbier mit 0,5 - 2,6 %, Vollbier mit 3,0 - 4,5 % und Starkbier mit 5,0 - 10,0 % Alkoholgehalt. Die Voll-Biere beherrschen den Markt und stellen mit 99 % Marktanteil die größte Gruppe im Reigen der deutschen Biere.

Deutschland ist von Nord nach Süd ein einziges Bier-Paradies: Herbfrisches Pils aus dem Norden und prickelndes Bremer Kreusen, Berliner Weiße (mit und ohne "Schuss"), Leipziger Gose, würziger Einbecker Ur-Bock, feinherbes Pils und Export, obergäriges bernsteinfarbenes Alt vom Niederrhein und obergäriges helles Kölsch aus Köln, frischherbes Hefeweizen aus Bayern, Münchner Helles und Münchner Märzen, Rauchbier aus Franken und Kulmbacher Eisbock. (FM)


Die Entwicklung des Bieres vom Ur-Bier bis zum Kölsch:

  1. Das Urbierrezept der Babylonier-Sikaru 4000 v. Chr.
  2. Die Biersorten der alten Ägypter 2000 v. Chr.
  3. Germanisch-keltische Bräusorten um 1000
  4. Die Klosterbiere von St.. Gallen ca. 800
  5. Das Grutbier (obergärig) – Köln ab 1. Hälfte 12.Jhdt.
  6. Hoppebier - England, Westeuropa ab 1387
  7. Keutebier (Weizen) - Gelbbier - Köln ab 1430
  8. Rotbier (dkl. starkes Hopfenbierbier) ab 1482
  9. Wechsel vom Weizen zum Gerstenbier ca. 1500
  10. Knupp, Dollbier (untergärig) - Köln um 1700
  11. Kräuter-und Mauritzbier (obergärig) - Köln ab 1706
  12. Steckenalt (obergärig) - Rheinland um 1800
  13. Weiß (trübes Kölsch) - Köln ab 1800
  14. Brung (trübes Alt) - Niederrhein um 1800
  15. Jung (obergärig) - Köln/Niederrhein um 1800
  16. Knupp (untergärig) - Köln um 1800
  17. Halv un Halv (ober- u. untergärig verschnittene Bier) – Köln um 1800
  18. Surrogate (s. W. Scheben)- Köln um 1870
  19. Pilsener-, Export-, Lager-, Bockbier – Mitteleuropa ab 1880
  20. Echt Kölsch kristall (filtriert) – Köln ab 1900
  21. Hopfenblümchen, Gäschtestrüh, Molkebier (Bierersatz) – Köln 1945-1948
  22. Das Kölsch von heute - Köln/Rheinland bis dato

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de